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 Der smaragdgrüne Traum

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BeitragThema: Der smaragdgrüne Traum   So März 27, 2011 8:01 am

(Für alle, die sich dafür interessieren, was Kia in ihrer Abwesenheitszeit die nächsten Tage erleben wird Wink)



Stille breitet sich in einer schützenden Decke über den Geist der verhältnismäßig jungen Shu'halo.
Die Dunkelheit der Höhle verschwimmt vor ihren Augen, während funkelnde Punkte auf ihrer Hornhaut tanzen, sich gegenseitig jagen und fangen. Die Stille wird allmählich dröhnend, presst sich mit aller Macht in ihren Kopf und verdichtet sich dort, bis alles andere ausgeblendet ist. Schwärze, nicht mehr die Düsternis der Höhle, viel mehr eine allumfassende, gefühlstilgende Schwärze erfüllt den Raum um ihren Körper, der nicht länger der ihre ist. Er fühlt sich schwammig an, unwahr. Als sie die Augen schließt, passiert nichts. Als sie sie öffnet, passiert nichts. Die Angst, die sie plötzlich überkommt, lähmt die körperlose Seele, die inzwischen weder Bedürfnis, noch Ort, noch Zeit kennt. „Ich sitze fest! Ich sitze fest!“, schreit eine Stimme in ihrem Kopf immer und immer wieder, bis sie nur noch zu einem heiseren Wimmern verkommt. Formlose Tränen schwirren durch den Raum, verlieren sich in der Finsternis. Doch eine bleibt, dicht vor ihr schwebend. Sie bricht das Licht, das plötzlich wieder in ihre Augen dringt. Ihre Augen! Sie sind geöffnet. Ihre Augen.. Sie blicken langsam an ihr herab. Die Form ist undeutlich, schwer erkennbar, doch das Licht, das nun direkt aus der Träne zu strahlen scheint, wird heller. Hoffnung keimt in dem verzweifelten Herzen auf, als das Fell sichtbar wird. Jedes Detail wird neu entdeckt, vieles ist ihr neu, die Astralgestalt war noch nie leicht zu erfinden. Doch mit jedem Funken neuer Hoffnung wird die Fantasie der Shu'halo angeregt, aus der der neue Körper erwächst, gestärkt wird. Die Katze ist es nun, die mit scharfen Augen ihre Umwelt entdeckt, dem Licht folgend, das ihr den Weg zu weisen vermag, oder, wie sie sehr wohl weiß, sie ebenso in die Irre führen könnte. Doch ihr bleibt nichts anderes übrig, als dem Irrlicht zu folgen – Denn allein dem Willen Yseras, der Träumerin, ist es überlassen, wer den Weg finden mag. Und wer sich auf dem Pfad selbst verlieren würde.

Bäume erwachen neben ihrem Weg zum Leben, gerade noch der Samen in der Erde, schon hochgeschossen in den Himmel, der hier nicht so greifbar scheint wie auf der anderen Seite. Kein An'she, kein Mu'sha, keine Ahnen, weder Sonne noch Mond noch Sterne, die einem Orientierung geben könnten. Der Boden unter den Pranken der Katze verdichtet sich, sie gräbt dankbar die Krallen darin ein. Indes entfalten sich Sträucher am Wegesrand, wachsen wundersame Pilze, kreuchen und fleuchen kaum sichtbar kleine Wirbeltiere in den Schatten. Ein Zirpen und Summen wird hörbar, die Geräusche des Lebens, so sehr ersehnt. Wasser plätschert irgendwo in der Ferne, sie könnte nicht sagen wo genau - Vorne, hinten, oben, unten – Alles Begriffe, die in dieser Welt nicht taugen. Da ertönt ein lautes Kreischen, und die Astralgestalt hebt den Blick, um einige, riesige Vögel zu erblicken. Anmutig und verspielt schwingen sie die Flügel, an einem einzigen Tier mindestens sechs davon. Eine Welt entsteht um die Shu'halo, ganz neu, ganz unentdeckt, von klein bis groß, alle Geschöpfe werden hier gerade erst geboren. Wundersam und zauberhaft, die Welt, die erblüht. Das Ohr zuckt nach hinten, als sie das leise, elfische Lied vernimmt, das keiner von der anderen Seite jemals deuten könnte. Kurz entschlossen folgt die Löwin der verlockenden, fernen Stimme – Nur um im nächsten Moment schon an einem See zu stehen, dessen Wasser grünlich leuchtet. Sie neigt den Kopf, und entdeckt die Quelle des Gesangs.

Das Lied wird gesungen von einer lächelnden Gestalt, die direkt den Blick der Shu'halo erwidert – Und doch durch ihren Körper hindurch blickt. „Du bist schwach – Nicht dein ganzes Herz wünscht hier zu sein.“, die Worte entspringen dem gleichen Lied, nun jedoch verständlich für die Löwin, die erstarrt am Ufer steht. Die Augen der Gestalt werden aufgerissen, und mehr Licht erhellt die Umgebung und ihre Silhouette – Halb Elfe, halb Fisch, so scheint es, denn ihre Schwanzflosse patscht fröhlich das grüne Wasser in die Höhe, ihre Hände kämmen das eigene, mehr als bodenlange Haar. Unweigerlich stellt man sich bei diesem Anblick vor, wie es wohl aussehen müsste, wenn sie gänzlich unter Wasser wäre – Ein Teppich von goldenem, geschmeidigen Haar, in dem grünen Sumpf wabernd. Während ihr Blick weiterhin auf der Löwin ruht, singt die Sirene weiter: „Angst, Sorge und Trauer vernebelt deinen Blick auf diese Welt – Was glaubst du hier zu finden, wenn er nicht klar genug ist?“. Die Shu'halo kann nicht antworten, und das weiß die Sirene ganz genau. Mit einem klangvollen, markerschütternden Kichern winkt sie mit der einen Hand ab, in der anderen immer noch das fließende Haar. „Vergiss', was war, lass dich treiben, komm zu mir und lass dich streicheln. Schöne Katze.“ Tönt das Lied, und unweigerlich setzt die Löwin eine Pranke vor die andere, denn sie kann nicht anders, gebannt vom Blick der Sirene. „Auf immer mein, auf immer hier, deine Seele, dein Herz.. gehört mir!“ Die Stimmung schwenkt ins Bedrohliche ab, und die Astralgestalt zuckt zurück, verschwimmt, als das Entsetzen sie packt – Das hier ist nicht länger der Traum, und als sie sich dem gewahr wird, verdunkelt sich die Atmosphäre, blutrot färbt sich das Wasser, und der Ausdruck in den Augen der Sirene wird grausam. Das Zirpen ist während des Liedes der Verdammten verebbt, nichts zeugt hier mehr von Leben. Der Boden unter den Pranken der Löwin wird heiß und locker, und endlich verdichtet sich ihre Gestalt wieder, mit voll aufgebotener Willenskraft reißt sie sich vom Bann der Sirene los. Nur um sich mühsam und kräftezehrend durch den schlammigen, wabernden Boden zu kämpfen. Ein Brüllen entfährt der Kehle der Katze, als sie sich gänzlich loseisen kann. Längst ist sie mitten im Alptraum gelandet, den sie doch nur vorsichtig umgehen wollte. Nie hätte die Shu'halo vermutet, dass er sich so weit fortbewegt hätte. In der Ferne singt nun wieder die Stimme, dieses Mal von Unterdrückung, von Boshaftigkeit und Missbrauch. Sie versteht das Lied, ganz ungeachtet der Worte. Während ihre Pranken über den Boden hämmern, sie hechelnd durch den roten Nebel treiben, sieht sie sich voller Furcht um.

Graue, verbrannte Bäume, traurige Zeugen der Verwüstung durch den Alptraum. Dicker Schleim, der sich wabernd zu einer Gestalt zusammen zu setzen sucht. Und die ersten durchdringenden Blicke von unsichtbaren Schatten, die sie auf dem Fell spürt. Die Löwin fliegt förmlich, sie konzentriert all ihre Geisteskraft darauf, Hoffnung zu schöpfen und den Ort zu finden, den sie zu suchen gedachte. Die vorbeirauschende Szene um sie herum ändert sich kaum merklich, ein Gefühl bemächtigt sich ihr, dass sie am Ziel angekommen ist. Spitze Steine haben die Pranken der Katze geschunden, Steine die jetzt hoch in die Luft fliegen und dort in der dichten Atmosphäre schweben bleiben, als sie heftig abbremst. Die Düsternis ist stärker, dort vor ihr. Eine Erhöhung trennt ihren Blick vor dem, was sie zu finden fürchtet. Dichtes Dorngestrüpp trennt sie von ihrem Weg. Noch sind die Verfolger nicht sehr weit gekommen, das sagt ihr das wütende Lied, das sie noch immer vernimmt. Doch es würde nicht lange dauern. Entschlossen kriecht die Katze durch die größten Öffnungen, während die Dornen ihre Gestalt zwar nur auf zu wirbeln vermögen, jedoch ihren Willen durch den Schmerz mindern, den sie umso deutlicher verspürt.

Wütend beißt sich die Astralgestalt durch das kaum begehbare Gestrüpp. Bis sie plötzlich nur noch undeutliche Schatten vor sich sieht. Zwei riesige, verschlungene Tentakel vor einem pulsierend leuchtenden, roten Tor, so scheint es ihr. Riesige Silhouetten, die sich, so könnte man meinen, liebkosen – Oder bekämpfen. Trauer legt sich über das Gemüt der Löwin, als sie wahrnimmt, dass LEBEN hier ist - Und das es aus allen Poren nach Erlösung schreit. Gleichzeitig erdrückt sie das Gefühl der Macht, die auch nach ihrer Hoffnung lechzt. Sie fährt herum, als aus den zerstörten Dornen drei Schatten erwachsen, sich knirschend und bedrohlich über ihr zusammenbrauen. Die Shu'halo schließt die Augen fest – Sie denkt an das Waisenkind, an den Geliebten, an den Stamm, und die jenseitige Welt – Mit aller Kraft, die ihre unter den Schatten schwächer werdende Seele zusammenbringt, wünscht sie sich zurück.. Ihr Gedächtnis erzählt Bilder von Erinnerungen, Erlebnissen – Vom Leben. Und machtvoll prasselt der Schatten auf sie herab, lässt ihre Gestalt gleichsam zersplittern wie verpuffen.

Wieder Schwärze. Wieder Dunkelheit. Wieder die Angst.. Diese schreckliche Angst! „Wer bin ich?“. „Du bist nichts. Gar Nichts. Spürst du es nicht?“. Ein Lachen. „ - Stimmt, du kannst es ja gar nicht spüren!“, fällt der gehässigen Stimme in ihr auf. Doch die Seele wehrt sich, windet sich heftig. „Aber ich bin! Ich spüre dieses Prickeln in meinen Fingern! Ich spüre etwas warmes. Ja, ich bin!“, ruft die erlöste Seele, die endlich wieder in ihrem Körper wohnt. Von der Liebe zurückgeholt, von dem Shu'halo, der sie heftig an sich drückt, um ihren zuckenden und um sich schlagenden Leib zu beruhigen. Der Leib, der ihr von der Erdenmutter gegeben wurde. A'ho Awakekeelo. Ich bin zurück.

- Eine Träne löst sich -





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Aenimas Wolkenherz

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BeitragThema: Re: Der smaragdgrüne Traum   So März 27, 2011 11:58 pm

Wow...Gänsehaut...
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Der smaragdgrüne Traum
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